Zeitgeister bei den Poetry-Slam-Meisterschaften (WE)
Dichterwettstreit
Zeitgeister bei den Poetry-Slam-Meisterschaften
Der Westen - Literatur, 01.11.2009, Marc Hippler.

Dichterwettstreit
Zeitgeister bei den Poetry-Slam-Meisterschaften
Der Westen - Literatur, 01.11.2009, Marc Hippler.
Poetry Slam Meisterschaften 2009
PauL gewinnt Duell der Wortjongleure
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2009
So titelt ein Artikel über das Team Finale gestern im zakk.
Den Artikel findet ihr hier:
Der Westen Literatur, 31.10.2009, Marc Hippler,
Poetry Slam in Krass-Dur
Audio Beitrag unter Kultur: Â Montag - Freitag: Deutschland ist mehr als Goethe, Grass & Co. (15′) .
Artikel unter Literatur :Â Deutschland sucht den Superdichter
Copyright: Deutsche-Welle
Mit einem Interview zum Spiel Poetry-Slammer vs. Autoren-Nationalmannschaft widmet sich Radio Fortuna,  offizielles Web Radio von Fortuna Düsseldorf, den deutschsprachigen Meisterschaften.
> Hier der Link <
Poetry Slam Meisterschaften von Sara Kirchner
Reden ist Silber, Poetry-Slammen ist Gold
von Hanna Ziegler 26. Oktober 2009 - 17:46 Uhr
Stella Volkenand (18) tritt am Donnerstag bei den 13.Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam an.
Angestaubt und steif ist der Literaturbetrieb längst nicht mehr. Junge Poeten wie Stella Volkenand hauchen ihm neues Leben ein. Ihre Mittel sind Gedichte und Alltagsgeschichten, die das Publikum fesseln. In Poetry Slams messen sie sich anhand ihrer selbst geschriebenen und vorgetragenen Texte. Die Gunst des Publikums entscheidet, welcher der Dichter in die nächste Runde einzieht. Am Donnerstag stehen die 13. Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam erstmals in Düsseldorf an. Es ist das größte Festival der Bühnenliteratur in Europa mit über 200Teilnehmern. Stella Volkenand tritt für Düsseldorf in der Gruppe der Unter-20-Jährigen an.
Antiquierte Lyriker lassen die 18-Jährige kalt
Für die 18-Jährige sind Einzüge in die Finalrunden von regionalen Wettbewerben schon längst so gut wie selbstverständlich. Formulieren würde es die bescheidene Schülerin so aber nie. Sie hat bereits den ARTig-Award im Bereich Literatur gewonnen – für ein Hörbuch. „Ich mag Texte am liebsten, die fürs Hören bestimmt sind“, sagt die Gymnasiastin aus Gerresheim. Schreiben, das liegt dem Mädchen mit einem Faible für englischsprachige Autoren wie T.C. Boyle oder Nick Hornby. Schon im Kindergarten habe sie Comics gezeichnet, in der ersten Klasse kamen die Sprechblasen hinzu. Antiquierte Lyriker hingegen lassen sie kalt.
Zum Slammen kam die Schülerin über die Schreibwerkstatt des Zakk. Hier kam sie unter anderem mit dem, wie Stella sie nennt, „Düsseldorfer Urgestein des Poetry Slam“, Pamela Granderath, in Kontakt und lernte von ihr. Nach gründlichen Überlegungen und Abwägungen darüber, wie sehr man sich blamieren könnte, meldete Stella sich schließlich zu ihrer ersten Poesieschlacht in Remscheid an.
„Es war schon irgendwie seltsam auf der Bühne zu stehen, zumal ich schon bei Referaten vor 20 Klassenkameraden nervös bin. Sobald aber die ersten Lacher und das erste Klatschen zu hören waren, fiel die ganze Anspannung von mir ab“, sagt Stella. Das sei auch heute noch so. Zu verwechseln seien die Poesieschlachten aber keinesfalls mit „blöder Comedy“. Auf dumpfe Lacher ist keiner der jungen Poeten aus. „Meistens schreibe ich Gedichte, die abgeschlossene Alltagsgeschichten erzählen.“
Dabei achte sie penibel darauf, dass die Anzahl der Silben in jedem Vers gleich sei und die Reime funktionieren. „Schon kleine Stolpersteine können den Vortrag kaputt machen.“ Zu persönlich darf es für Stella in ihren Texten aber nicht zugehen: „Ich klappe bestimmt nicht mein Tagebuch auf und erzähle von meinem letzten Liebeskummer.“
Pro Slam trägt sie zwei bis drei eigene Texte vor. Während des Schreibens entwickelt sich ihr Ehrgeiz dann zur Höchstform. „Wenn ich an etwas Spaß habe, entwickele ich eine Art Wahn – alles muss dann perfekt sein. Auf der anderen Seite bin ich total schludrig, was beispielsweise Termine angeht.“
Wenn sie eine spontane Idee hat, kann ein Text schon in einer Stunde fertig sein. „Manchmal ist es aber auch sehr mühselig und dauert viel länger“, verrät Stella.
Den anstehenden Poetry-Slam-Meisterschaften steht sie ziemlich gelassen gegenüber. „Mal sehen, was da für Kaliber auf mich zukommen“, sagt Stella. „Momentan überwiegt die Freude auf die vielen Kollegen.“ Denn es gibt einen Kodex unter den Poeten: Konkurrenzkampf gibt es nicht. Man korrigiere sogar untereinander die Texte, erzählt Stella. „Außerdem verliere ich lieber gegen Leute, die gut sind, und habe dann wenigstens einen unterhaltsamen Abend.“
Einen Grund nervös zu werden, gibt es allerdings doch für sie: Wenn bekannte Gesichter im Publikum zu erkennen sind. „Wenn ich mich blamiere, muss ich ihnen immer wieder ins Gesicht gucken.“
Von Hans Hoff 25. Oktober 2009, 04:00 Uhr
Drei Tage lang finden in Düsseldorf die Deutschen Meisterschaften im Poetry Slam statt. Dabei tragen junge Leute um die Wette eigene Gedichte und Rap-Texte vor
Über 250 junge Menschen werden sich in der kommenden Woche auf Düsseldorfer Bühnen tummeln und eigene Texte an das Publikum verteilen. Gesucht wird der Deutsche Meister im Poetry Slam.
Bei dieser Form des poetischen Wettstreits stellen sich sogenannte Slammer an ein Mikrofon und präsentieren, was sie für Dichtung halten. Das gleicht gelegentlich einer Mischung aus launiger Standup-Comedy und steifem Gedichtaufsagen, kann aber durchaus auch Momente von hohem literarischen Wert gebären. Danach stimmt das Publikum darüber ab, wer als Sieger vom Platz geht. Wer sich in etlichen Duell-Situationen behauptet, verlässt den Ort der Dichtungsschlacht am Ende mit dem Titel Deutscher Meister.
Über 50 Stunden Wort verspricht das ausrichtende Kulturzentrum Zakk bei den 21 Veranstaltungen, die von Donnerstag bis Samstag mit der Hilfe von 25 Wettkampfhelfern im eigenen Hause, in der Altstadtkneipe Pretty Vacant, aber auch im Schauspielhaus stattfinden. “Es sind für uns Olympische Spiele im Kleinen”, sagt Zakk-Chef Jochen Molck, der rund 7000 Zuschauer erwartet.
Den Titel vom vergangenen Jahr muss Sebastian23 verteidigen. Der gebürtige Duisburger, der in Bochum lebt, ist einer der Stars der deutschen Slam-Szene. Der 30-Jährige wurde 2008 bei den internationalen Slam-Meisterschaften in Paris Vize-Weltmeister. Bei über 250 Auftritten im Jahr spricht er etwa darüber, wie alles wäre, wenn es einfach wäre oder warum er eigentlich immer lügt. Der Drang in die Tiefe des menschlichen Seins liegt ihm, denn auf die Bühne getrieben hat ihn ein abgeschlossenes Studium. “Ich habe Philosophie studiert, was soll ich sonst machen?”
Ob er auch in diesem Jahr wieder ganz vorne mitmischen wird, weiß er noch nicht. Dafür ist ihm bewusst, dass die drei Düsseldorfer Slamtage und vor allem die zugehörigen Nächte gehörige Anforderungen an seine Kondition stellen werden. “Da muss man ohne Schlaf auskommen.”
Darauf stellt sich auch Volker Strübing ein. Der gebürtige Thüringer hat 2005 die Einzelmeisterschaft und 2006 den Wettbewerb im Team gewonnen. “Für die Auftretenden ist das auch eine große Party”, sagt er. Und obwohl es natürlich auch darum geht, am Ende als Sieger dazustehen, sieht der 38-Jährige, der sich inzwischen als Kabarettist und als Buchautor einen respektablen Namen gemacht hat, weniger die Rivalität als vielmehr den olympischen Gedanken im Vordergrund. “Der Auftritt ist schon der Gewinn”, sagt er. Wenn die Stimmung im Saal überschwappt, kann regelmäßig selbst der Unterlegene profitieren. Strübing sieht so eine Meisterschaft nicht als Karrieregarantie, weist aber darauf hin, dass so ein Titel durchaus förderlich sein kann, wenn es gilt, Veranstalter zu überzeugen, bei denen man gerne auftreten möchte.
Torsten Sträter rät den Wettbewerbsteilnehmern, die Erwartungen eher tief zu hängen. “Wer sich etwas ausrechnet, geht schon falsch ran”, sagt der Dortmunder. Der 43-Jährige ist unter all den jungen Dichtern schon so etwas wie ein Oldie. Er hat in diesem Jahr die NRW-Meisterschaften gewonnen und ist immer noch sehr aufgewühlt von dem, was er da anstellt. “Vier Poetry-Slam-Jahre sind wie zehn Menschenjahre”, sagt er.
Für Sträter besteht der ideale Slam-Auftritt aus 50 Prozent Rock’n'Roll, 30 Prozent Literatur und 20 Prozent Persönlichkeit. Er lobt vor allem das Gefühl auf der Bühne. “Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, aber wenn man rauskommt, fühlt man sich großartig.”
Wer letztlich als Deutscher Meister in Sachen Wortgefecht durchs Ziel geht, wird sich erst spät am Abend des 31. Oktober zeigen. Sicher ist aber jetzt schon, dass das Wort weiter machtvoll bleiben wird auf all den kleinen Bühnen, auf denen sich auch in Zukunft regelmäßig Profis und Neulinge treffen werden, bei der Poesieschlacht im Düsseldorfer Zakk, beim Hundertmeister-Slam in Duisburg, beim “Satz nach vorn” in Aachen, beim Bunkerslam in Bielefeld oder in Köln beim “Dichterkrieg”.

„Wir freuen uns sehr, dass gerade der Wettbewerb der Nachwuchsslammer so gut angenommen wird“, kommentiert Christine Brinkmann (zakk) vom Organisationsteam des slam2009 die aktuellen Vorverkaufszahlen.
Noch gibt es ausreichend Karten für die insgesamt 10 Vorrunden im Einzel-Wettbewerb wie auch für die drei Vorrunden im Team-Slam. Wer aber die freie Wahl haben möchte, sollte bald ein Ticket im Vorverkauf erwerben. Sämtliche Vorrunden und Halbfinals finden am 29.10. und 30.10. statt, der 31.10. ist den Finals der U20 und der Einzelslammer vorbehalten.
Für welche Vorrunde man sich auch immer entscheidet, in jedem Fall erwarten die Zuschauer geschliffene, amüsante, überraschende, nachdenkliche, knackige 6-Minuten-Texte, die unmittelbar von der Publikumsjury bewertet werden. Jeder Slammer muss bereits beim ersten Auftritt sein Bestes geben, denn sonst ist womöglich schon die Vorrunde das „Aus“.
Auch Mitveranstalterin Pamela Granderath ist vom erstklassigen Niveau der Teilnahmer überzeugt: „Schließlich mussten sich alle in ihren Städten für die Meisterschaften qualifizieren. Und man ist schon mit 5 Euro dabei- das ist weniger als jede Kinokarte kostet!“
Veranstalter Deutschsprachige Poetry Slam Meisterschaften 2009:
zakk, ArtConnection, Markim Pause, Düsseldorfer Schauspielhaus & Literaturbüro NRW
Mit freundlicher Unterstützung: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Ministerpräsident des Landes NRW, LAG Soziokultur, Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf, Bürgerstiftung Düsseldorf, Pro Helvetia und LVR Rheinland